Digital Humanities Center

Die virtuelle Forschungsumgebung für die Spatial Humanities

In den Digital Humanities sind neben klassischen Anwendungen im Bereich der Verarbeitung digitaler Text- und Sprachressourcen auch digitale Werkzeuge für nicht-textuelle kulturelle Ausdrucksformen und deren räumlich-zeitliche Einordnung von großer Bedeutung. Unser Tool Spacialist begegnet dieser Herausforderung mit einem anpassbaren Datenmodell, das in der Lage ist, alle Aspekte des menschlichen Kulturschaffens digital zu erfassen und in semantische und analysierbare Beziehungen zu übertragen. Dabei bieten die integrierten digitalen Werkzeuge auch die Möglichkeit, gefährdete Objekte, Räume und immaterielle kulturelle Ausdrucksformen präzise und kollaborativ zu erfassen und zu dokumentieren. Dadurch wird ihre dauerhafte und nachhaltige Bewahrung ermöglicht und ihre Verfügbarkeit für Forschungszwecke sichergestellt. Spacialist nutzt ein rollenbasiertes Berechtigungsmodell, das sich individuell an die Anforderungen jedes Forschungsprojekts anpassen lässt. Zur Nutzung der Spacialist-Software ist lediglich ein Web-Browser erforderlich.

Wir installieren, hosten und betreuen projektspezifische Spacialist-Instanzen gegen kostendeckende Gebühren, wobei wir vorab ein individuelles Angebot erstellen. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie Möglichkeiten des Einsatzes von Spacialist in Ihrem Forschungskontext mit uns eruieren möchten!

Funktion und Einsatz

Spacialist ist nun eine modular erweiterbare Anwendungsplattform, die für jedes Forschungsprojekt individuell angepasst und instanziiert wird. Basis der Plattform ist ein Metamodell, das Objekte, deren Eigenschaften und Beziehungen projektspezifisch flexibel und präzise definierbar macht. Mithilfe des Werkzeugs ThesauRex bietet Spacialist die Möglichkeit, kontrollierte mehrsprachige Vokabulare (Thesauri) nach dem XML-basierten W3C-Standard Simple Knowledge Organization System (SKOS) anzulegen, um die Objekte, deren Eigenschaften und mögliche Ausprägungen der Eigenschaften im Datenmodell zu benennen.

Die Kernfunktionalität von Spacialist besteht aus:

  • einer hierarchischen Datenorganisation.
  • der Möglichkeit, die Datenobjekte mit anpassbaren Bearbeitungsmasken zu erfassen und kollaborativ zu bearbeiten.
  • interaktiven Karten, auf denen Datenobjekte geografisch verortet werden können. Erweiterungsmodule bieten je nach Bedarf zusätzliche Funktionalität, wie beispielsweise Datenanalyse, Literaturverwaltung, Dateiverwaltung und -betrachtung oder ein Geografisches Informationssystem.

Der Screenshot beim ersten Absatz dieser Seite beispielsweise zeigt eine Spacialist-Instanz, die Daten über Länder, Städte und Weltkulturerbestätten erfasst und auf einer Karte verortet.

Open-Source-Software

Alle Softwarekomponenten von Spacialist sind als Open-Source-Software auf GitHub verfügbar:

Üblicherweise installieren und hosten wir die projektspezifischen Instanzen der Spacialist-Software auf unseren Webservern. Die Software kann bei entsprechenden IT-Kenntnissen grundsätzlich aber auch auf einem eigenen Server installiert und gehostet werden.

Ursprünge und Projekthintergrund

Das Projekt „Spacialist“ wurde von Mitte 2016 bis Ende 2018 durch das Förderprogramm „E-Science Baden-Württemberg – Virtuelle Forschungsumgebungen“ durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert. Ziel des Projekts war es, für die raum- und objektorientierten Wissenschaften ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das die standardisierte Erfassung und Analyse sowie eine langfristige Archivierung und Nachnutzbarkeit der Forschungsdaten erlaubt. Ein hoher Standardisierungsgrad sowie eine nachhaltige Vorhaltung der Informationen sind gerade im Bereich der Geisteswissenschaften aufgrund der Unwiederbringlichkeit der Daten von besonderer Bedeutung.

Für die Projektkoordination und die Softwareentwicklung war damals das eScience-Center (das heutige Digital Humanities Center) verantwortlich. Während der Förderphase wurde unter anderem mit folgenden Partnern kooperiert:

  • Fachbereich Informatik, Arbeitsbereich Informationsdienste (Universität Tübingen)
  • Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Abteilung für Jüngere Urgeschichte und Frühgeschichte (Universität Tübingen)
  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
  • Archäologisches Institut der Universität Göttingen