Prof. Dr. Jörg Robert - Lehrstuhl für Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit

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Sprechstunde im Wintersemester 2017/18

Dienstags 12-13 Uhr

 

 

 

Neuerscheinung

Johannes Reuchlin (1455–1522), dessen Leben und Werk eng mit Tübingen verbunden sind, repräsentiert wie kaum ein anderer deutscher Humanist den zeitlichen Bogen und inneren Zusammenhang von Renaissance und Reformation. Auch wenn Reuchlin der Reformation am Ende seines Lebens kritisch gegenübersteht, verbinden sich doch die causa Reuchlin und die causa Lutheri für die Zeitgenossen besonders eng – dies gilt für den Wittenberger Reformator selbst, der eindringlich um Reuchlin als Mitstreiter geworben hat, vor allem aber für die jüngeren Anhänger beider Männer wie Ulrich von Hutten oder Reuchlins Schüler Melanchthon, den der Gelehrte 1518 nach Wittenberg vermittelt hat.

Reuchlin macht sich nachhaltig um die wissenschaftliche Erschließung und Bewahrung der jüdischen Tradition verdient und gilt bis heute als einer der Wegbereiter der Toleranzidee. Dies drückt sich in besonderer Weise im sogenannten Judenbücherstreit aus, bei dem es um die Frage geht, ob jüdische Bücher eingezogen und verbrannt werden sollten. Hier bezieht Reuchlin in einem Gutachten (1510) einen klar pro-jüdischen Standpunkt, der in der Folge zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Kölner Dominikanern und zur Verurteilung Reuchlins durch die römische Kurie führt. Der Streit selbst, in dem Reuchlins Augenspiegel die zentrale Rolle spielt, weitet sich zu einem medialen Ereignis von europäischen Dimensionen aus, das Phänomene der aktuellen Medienkultur vorwegnimmt.

Katalog und Ausstellungsprojekt möchten Reuchlin und seine Epoche in einem breiten Bogen von Leben und Werk über die Schriften bis hin zur Kulturgeschichte erschließen. Die Tübinger Jahre und Aktivitäten stehen dabei im Mittelpunkt.

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Aktuelle Veröffentlichungen

„Ein Vater neuer Zeit“ – Reuchlin-Bilder zwischen Renaissance und Reformation. In: Jörg Robert/ Evamarie Blattner/ Wiebke Ratzeburg (Hrsg.): „Ein Vater neuer Zeit“ – Reuchlin, die Juden und die Reformation. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Tübingen. (28.10.2017-18.02.2018) Tübingen 2017, 13-30.

Luthers Lieder als Antikenübersetzung? Überlegungen zur Ambrosius-Bearbeitung „Nu kom der Heyden heyland“. In: Klaus Kipf/ Regina Töpfer/ Jörg Robert (Hrsg.): Humanistische Antiken-übersetzung und frühneuzeitliche Poetik (1480-1620). Berlin/Boston: De Gruyter (Frühe Neu-zeit 211), 353-381.

(mit Klaus Kipf und Regina Töpfer) Einleitung: Humanistische Antikenübersetzung und frühneu-zeitliche Poetik in Deutschland (1450-1620). In: Regina Töpfer/ Klaus Kipf/ Jörg Robert.: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik (1480-1620). Berlin/New York: De Gruyter 2017 (Frühe Neuzeit 211), 1-24.

„Geschwiester-Kinder“. Bildtheorie und Paragone bei Martin Opitz. In: Jörg Robert (Hrsg.): Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Berlin/New York: De Gruyter 2017 (Frühe Neuzeit 209), 322-346.

Intermedialität in der Frühen Neuzeit – Genealogien und Perspektiven. In: Jörg Robert (Hrsg.): Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Berlin/New York: De Gruyter 2017 (Frühe Neuzeit 209), 3-17.

Paris-Bilder – Schiller im Dialog mit Mercier. In: Peter-André Alt/ Marcel Lepper (Hrsg.): Schillers Europa. Berlin 2017, 217-240.

Göttinger Primitivismus. Christian Gottlob Heynes wilde Antike. In: Annika Hilde-brandt/ Charlotte Kurbjuhn/ Steffen Martus (Hrsg.): Topographien der Antike in der deutschen Aufklärung. Bern/Berlin u.a. 2016 (Zeitschrift für Germanistik. N.F. 30), 165-180.

(mit Astrid Dröse): Editoriale Aneignung und usurpierte Autorschaft. Friedrich Schillers Thalia-Projekt. In: Zeitschrift für Germanistik N.F. 27, 2017, 108-131.